(1) Seit wann gibt es Gebärdensprache ?
Die Gebärdensprache gibt es, seit es Gehörlose gibt. Sie verfügt über
unbegrenzte Möglichkeiten und lebt in der Gemeinschaft der Gehörlosen.
Der griechische Philosoph Sokrates sagte schon vor über 2000 Jahren: "Wenn wir weder Stimme noch
Zunge hätten und doch einander die Gegenstände kundmachen wollten, würden wir nicht,
wie auch jetzt die Stummen tun, versuchen, sie vermittels der Hände, des Kopfes und der
übrigen Teile des Leibes anzudeuten?"
Die Entstehung und Entwicklung der Gebärdensprache ist eng mit der Entstehung und Entwicklung
der Gehörlosenkultur verbunden. Sie ist gleichzeitig ein Kennzeichen der
Gehörlosengemeinschaft. In allen Lebensbereichen findet sie Anwendung.
Auch Hörende benutzten zu jeder Zeit die Gebärdensprache. So stellte sie z.B für
verschiedene Indianerstämme eine Brücke der Kommunikation untereinander dar.
Die Handzeichen beschrieben in der Natur vorkommende Gegenstände, Vorstellungen,
Gefühle und Sinneswarnehmungen. Das Zeichen für den "Weißen Mann" sind zwei Finger,
die über die Stirn gezogen werden, so der Hut angedeutet. Eine zitternde Bewegung der vor
dem Körper gehaltenen Fäuste zeigte die Sinneswahrnehmung KÄLTE. So entstanden
eigene Zeichen für bestimmte Landschaftsmerkmale, für jeden Stamm.... .
Ein Häuptling der Siox, Iron Hawk (Eiserner Falke) sagte damals: "Der große Geist hat den
Weißen zwar die Fähigkeit zu lesen und schreiben verliehen, den Indianern aber hat er
die Kraft gegeben, mit Händen und Armen zu reden."
Systematische Gebärdensprachen entstanden in vielen Teilen der Welt, vor allem bei den
verschiedenen Kulturgruppen im ostindischen Bundesstaat Assam und in Australien.
Inzwischen werden wissenschaftliche Forschungen auch in Deutschland an der Gebärdensprache
betrieben. Die Ergebnisse hierbei waren eine wichtige Grundlage zur Anerkennung der
Gebärdensprache als eigenständige, von der Lautsprache unabhängige Sprache.
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