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(13) Was bedeutet "Bilingualismus"?


Bi = "zwei" / Lingua = (frei) Zungenlaut; also im übertragenen Sinn "Sprache "
Eine zweisprachige Erziehung ist dort anzutreffen, wo verschiedene Nationalitäten mit ihren Kulturen zuammenleben. Sicher habe auch sie schon erstaunt Kinder sogenannter "Mischehen" (ein Elternteil Ausländer) beobachten können, die mühelos von der Muttersprache der Mutter in die Muttersprache des Vaters wechseln können.

In meiner Schulzeit gab es in der Klasse einen Jungen aus einer deutsch/ungarischen Familie. Fließend ungarisch und deutsch ohne Akzent, das fand ich damals schon toll! Genauso toll finde ich heute, dass schon hörende Kleinkinder aus Familien mit gehörlosen Angehörigen zweisprachig aufwachsen. Zweifellos hat sich im Unterricht der Gehörlosenschulen der bilinguale ;also zweisprachige Unterricht in Gebärdensprache und Lautsprache bewährt. Die Erfolge, die bei der Lautsprachvermittlung erzielt werden, sind fraglos anerkennenswert. Letztlich entscheiden aber nicht die Lehrer, sondern die alltägliche Sprachpraxis über Erfolg und Nichterfolg des Sprachlernens.

Die sprachlichen Leistungen Gehörloser in der Alltagskommunikation werden an den Erfordernissen der Sprache Hörender gemessen. Denken Sie an die sozialen Auswirkungen der Sprachentwicklung, ist klar, dass sich Gehörlose mit guter Lautsprachkompetenz in der hörenden Welt sicherer zurechtfinden. Daher ist die Vermittlung der Lautsprache ein notwendiger Bestandteil der Schulbildung. Zum Vermitteln von Inhalten von z.B. Geographie oder Biologie bedarf es der begrifflichen Wahrnehmung. Das ist durch Vermittlung in Lautsprache nur unbefriedigend möglich. Warum also ist die Wissensvermittlung nicht in der Muttersprache -der Erstsprache- möglich? Die Hinzuziehung der Gebärdensprache hierbei ist ganz klar von Vorteil für Gehörlose.

Zur Zeit gibt es in ganz Deutschland einige Schulen, in denen bilingual unterrichtet wird. Die gezielte Förderung von Lautsprach- und Gebärdensprachkompetenz ermöglicht so eine altersgemäße Sprach-, Lern- und Denkentwicklung. Erstmalig wurde vor wenigen Jahren ein gehörloses Mädchen in eine "hörende" Schule aufgenommen. Während des gesamten Unterrichtes ist eine Gebärdensprachdolmetscherin dabei und sichert so die Kommunikation. Das Projekt hat bis jetzt gezeigt, dass dieses Mädchen durch die Nutzung beider Sprachen die gleichen Leistungen wie ihre Mitschüler zeigt.
Solch ein Beispiel sollte kein Einzelfall bleiben!! Natürlich können nicht alle gehörlosen Kinder auf Schulen in ihrem Wohnort "verteilt" werden. So viele Dolmetscher stehen ja gar nicht zur Verfügung und können auch gar nicht finanziert werden. Bilingualen Unterricht in den Gehörlosenschulen anzuwenden UND auch nach dem Schulabschluss beide Sprachen anzuwenden, ist für die Integration Hörgeschädigter in die hörende Welt eine optimale Vorraussetzung!


Stand: 01.11.2007